Allgemein — 29. Oktober 2012 at 15:33

Peking für Anfänger

by
Chefredakteurin Britt Heudorf unterwegs in

Ente gut – alles gut? Ich bin wieder mal mit viel Fernweh losgeflogen, um etwas Neues zu entdecken. Zieht es einen doch eigentlich lieber an die lauschigen Plätze der Erde, die Malediven, Bora Bora oder auch Miami.

Die wenigsten – im noch jugendlichen Alter – möchten dringend auf kulturellen Pfaden wandeln in einer Stadt, der man völliges Verkehrschaos, höchste Luftverschmutzung und äußerst ruppige Sitten nachsagt. Um das mit der Kultur ein bisschen zu verdrängen, beschloss ich an meinem Artikel über „die besten Steakhäuser von New York“ anzuknüpfen und mich nun dem Osten zuzuwenden. Warum soll das, was in New York seit Langem funktioniert, am anderen Ende der Welt – abgewandelt mit Peking-Enten – nicht denselben Erfolg haben? Ich informierte mich über die diversen Lokale: traditionelle, klassische, angesagte und auch welche, die im Untergrund das begehrte Federvieh anbieten, sprich illegale Peking Duck Salons. Alle standen auf meiner Liste, als ich am internationalen Flughafen von Peking ankam.                                          von Britt Heudorf

Für ein kommunistisches Land funktioniert die VIP-Einreise erstaunlich gut. Kaum aus dem Flieger, erwartete mich ein junger Mann, der Gäste, die diesen bevorzugten Service gebucht haben, in Empfang nimmt und durch die Passkontrollen begleitet und sicherstellt, dass man zügig in der wartenden Limousine sitzt. Diese Dienstleistung ist für jeden buchbar und wird meist von den Luxushotels auf Anfrage organisiert. Meine Einreise in die Volksrepublik China dauerte genau 1 Minute. Ich nicke einmal freundlich und schon bin ich drinnen im lebendigen Kommunismus.
Herzstück von Peking: die
Nach kurzer, staufreier Fahrt erreiche ich das „Pen“, wie die Peninsula Hotels gerne kurz genannt werden. Vor dezenter chinesischer Architektur, eleganter Vorfahrt und großem Springbrunnen erwarten die typischen „Boys“ in weißer Livree die Gäste am Eingang. Das gehört zu den besten Hotels der Stadt. Vom Hotel aus liegt Pekings spektakuläres Kulturerbe nur einen Spaziergang entfernt: Die Goldfish Lane, Heimatadresse des Hotels, führt schnurgerade auf die Verbotene Stadt zu. Das Haus besticht durch eine außergewöhnliche Architektur zwischen traditionellen chinesischen Bauformen, Farben, Ornamenten und modernen Stilelementen.
Die Duplex-Suiten bieten über die Fensterfront von zwei Stockwerken fantastische Ausblicke auf die Stadt. Gästen des „Club-Levels“ steht eine eigene Lounge zur Verfügung, wo auch das Frühstück elegant serviert wird. Mehrere Damen des Gunst-Relations-Service stehen dort für alles Benötigte geflissentlich zur Verfügung. Wie in allen Peninsula Hotels findet man auch hier ein exzellentes Spa und Gym sowie einen sehr großen Pool. Eine solche entspannende Oase ist Gold wert, wenn man sich nach einem Tag mit Besichtigungen am Abend in die erfahrenen Hände der Therapisten begibt.
Der Ankunftstag ist noch jung und ich beschließe, ihn umgehend für eine Erkundung zu nutzen. Peking bietet natürlich sehr viele Tempel, die entdeckt werden wollen. Ich persönlich finde ja, das wirklich Spannende am Reisen sind die vielen Eindrücke, die man nicht planen kann, die auch nicht mit Besichtigungen von Kulturstätten zu tun haben. Ich bevorzuge, mich einfach in das volle Leben zu stürzen und mir die Stadt aus dem ganz normalen Tagesgeschehen anzusehen. Alleine die Taxifahrt für umgerechnet 30 Cent war in Peking schon die Reise wert. Denn schreibt Ihnen der Concierge Ihr Ziel nicht exakt auf, haben Sie fast keine Chance, diesen Ort zu erreichen. So gut wie kein Passanten, Taxifahrer oder Verkäufer, den ich in 5 Tagen Peking getroffen habe, sprach ein Wort Englisch. Man ist sozusagen verloren unter Tausenden Menschen. In meinem Fall konnte der Taxifahrer wohl die Handschrift des Concierge nicht richtig lesen und ließ mich an der falschen Ecke raus. Und bis man das Versehen bemerkt, ist das Taxi weg. Die Chinesen sind aber ein sehr nettes und aufgeschlossenes Volk, das wider Erwarten höchst freudig auf langnasigen Besuch reagiert – und mit vereinter Kraft bin ich dann doch noch zu dem etwas versteckten Tempel von „Konfuzius“ gelangt. Sicher hat dieser auch gesagt: „Du sollst nicht auf eigene Fast durch Pekings Nebenstraßen schleichen“, wo ich mich verlaufen hatte.
Zu späterer Stunde, ich bin nahezu verhungert und verdurstet, denn als „China-Neuzugang“ wollte ich an keinem der Straßenstände essen, die lebende Skorpione, Seepferdchen oder Seesterne anbieten, war es an der Zeit, meine Mission “Peking-Ente” zu beginnen. Das Peninsula Hotel beheimatet eines der besten Restaurants der Stadt – das Huang Ting. Dort serviert man die berühmte kantonesische Küche in vollendeter Form. Das Ambiente ist elegant und authentisch, so prägen Antiquitäten aus der Qing-Dynastie das Restaurant. Die Karte ist für mich schnell gelesen, denn ich bin ja auf Peking-Enten-Tour. Jeden Abend eine andere Variante oder ein anderes Lokal – so habe ich mir das am Schreibtisch zumindest vorgenommen.
Die Qual der Wahl – Schwalbennest oder Hai-Finne?
Was mir stolz vom Chefkoch aus der Küche gebracht wurde, war eine wunderschöne, knusprige goldbraune Riesenente, die locker für mind. 6 Personen gereicht hätte. Mein Begleiter, der anfänglich noch recht motiviert beim Verspeisen der Entenhaut in leckeren Teigtaschen war, ließ mich ab der Hälfte hängen und so kam es, wie es kommen musste: Ich habe mir einen „Peking-Enten-Overflash“ zugezogen. Es tat mir wirklich leid um die Ente – aber es war einfach zu viel! Als nach dem „Haut-Gang“ auch noch das Fleisch mit Gemüse serviert wurde, schwor ich mir: nie mehr Peking-Ente.
Damit war meine Mission schon am ersten Abend kläglich gescheitert und sie endete an der Bar des Peninsula. Übrigens, wussten Sie, dass die Haut der Peking-Ente deshalb so extrem knusprig wird, weil man das Tier vor dem Braten aufbläst und so die Haut dehnt und sie gespannt in aller Ruhe knusprig werden kann? Das Restaurant des Peninsula in Peking kann ich uneingeschränkt für einen kulinarischen Abstecher empfehlen – aber bitte fühlen Sie sich nicht verpflichtet, die Ente ganz zu essen!
Der nächste Morgen beginnt mit dem besten Espresso Asiens in der Club Lounge. Versuchen Sie mal, in Peking einen Lavazza-Espresso zu bekommen! Im Pen werden Sie fündig. Die Verbotene Stadt steht auf dem Programm. Mittels einer mittelprächtig Englisch sprechenden Führerin soll dieser Teil der Stadt unsicher gemacht werden. Angekommen vor dem Hauptportal, überfielen mich die Chinesen. Kaum hatte mich meine Begleiterin kurz aus den Augen gelassen, fing es an. Erst trat ein schüchternes Mädchen zu mir, strahlte mich an und deutete auf eine Person, die nun gerade ein Foto von uns machte. Nachdem der erste Bann gebrochen war, wollte sich jeder mit mir fotografieren lassen, erst einzeln, dann in verschiedenen Kombinationen, aber immer mit ungeraden Personenzahlen, sonst bringt es Unglück, und wer will das schon?
Wie kann das sein, dass eine blonde Frau so ein Aufsehen erregt, fragte ich meine Führerin. Die Erklärung war einfach, aber trotzdem schwer vorzustellen: Viele der chinesischen Touristen kommen das erste Mal von entfernten Regionen nach Peking, und das vielleicht auch nur einmal in ihrem Leben. In die entlegenen Provinzen verirrt sich nie ein Tourist und schon gar keine 1,80 Meter großen Blondinen. Magazine und Fernsehen, wie wir es kennen, gibt es kaum und so muss alles Fremde fotografiert werden für die Lieben zu Hause.
Meine Reiseführerin, ein wandelndes Lexikon sprudelte die nächsten 2,5 Stunden ohne Punkt und Komma alles zu den Höfen, Herrschern und Konkubinen heraus, dazwischen wurde ich immer wieder fotografiert und dann hatten wir es geschafft und waren durch die Verbotene Stadt gelangt. Auf der anderen Seite erwartete uns der treue Taxifahrer. Er war hoch erfreut, uns zu sehen, das Taxi war geputzt und gelüftet und wir fuhren endlich schweigend weiter Richtung Platz des himmlischen Friedens.
Sicher fragen Sie sich zu diesem Zeitpunkt, warum ich Ihnen wie aus einem Tagebuch berichte. Ganz einfach, ich will Ihnen etwas über die Stadt erzählen. Alles über die Tempel und die Verbotene Stadt, die Parks und Aufmarschplätze erklärt Ihnen die Dame bei Studiosus Reisen sicher besser. Ich möchte Ihnen die Metropole Peking ein bisschen näher bringen in ihren Angewohnheiten und Eigenarten. China ist den meisten doch noch irgendwie sehr fremd, und wenn wir einen Bus mit chinesischen Touristen an der Oper in München sehen, wirken die wuselnden kleinen Menschen immer wie ein Fremdkörper. Doch wenn man die lange Geschichte der Unterdrückung und der Strukturen in dem Land anschaut, wundert es einen nicht, warum die Herrschaften gleich hektisch werden, wenn sie sich zwischen Maximilianstraße und Marienplatz aus den Augen verlieren. In China gibt es keine Individualisten. Alleine ist man nicht existent. Nicht umsonst sagt ein asiatisches Sprichwort: „Nur auf einen herausstehenden Nagel wird eingeschlagen.“
Sonnenaufgang im Park: auf "Lieblichkeit" wird überall viel Wert gelegt.
Ich ziehe los in den größten Park der Stadt. Der Beihai-Park ist die grüne Lunge der 12-Millionen-Stadt. Dort wird ausgiebig und inbrünstig gewandert, Boot gefahren, Picknick gemacht, gesungen und getanzt. Was ich besonders erstaunlich fand, war die Tatsache, dass ich in 5 Tagen Peking nur eine Handvoll europäische Touristen getroffen habe. Die Begeisterung für blonde Frauen riss nicht ab und ich fragte mich wirklich ständig: Ist dies das Volk, vor dem gewarnt wird? Jene, die bald alle unsere Firmen übernehmen und uns in Europa „leerkaufen“? Keiner spricht Englisch und eine blonde Touristin ist eine Attraktion? Erfahrene China-Reisende raten dringend davon ab, dieses Volk verstehen zu wollen. Zum einen sei dies mit unserer europäischen Denke unmöglich und zum anderen weiß China, glaube ich, im Moment selbst nicht so genau, was es ist. Wie keine andere Nation ist das Reich der Mitte im Umbruch.
Tänzchen gefällig? Im Bai-Hai-Park wird Sonntag für den Spaziergänger getanzt
Das Nachtleben in Peking rief mich erneut. Auch wenn der Concierge versuchte, mich in das neue französische Restaurant im Diplomaten-Bezirk zu lotsen. Ich wollte was anderes sehen – keine Touristenbelustigung. Und so kam es, dass ich wenig später wieder in einem Taxi mit halsbrecherischer Fahrt Richtung „Red Capital Club“ unterwegs war. Dieses Boutiquehotel mit angeschlossenem Restaurant liegt in einem Hutong, einer traditionellen Wohngegend. Die meisten Taxifahrer weigern sich, in diese dunklen, aber ungefährlichen Ecken der Stadt einzufahren, weil dort so geparkt wird, dass man sich garantiert verkeilt. Mein Fahrer hatte Mitleid und brachte mich direkt vor die Türe des schummrigen Clubs. Tritt man durch die niedrige Türschwelle, wird man in die 50er-Jahre und in die maoistische Zeit zurückversetzt. Ausgestattet mit originalen Einrichtungsgegenständen des kommunistischen Regimes fühlt man sich wie in einer Zeitmaschine.
Mao Zedong lässt grüssen! Die rote Schummerbeläuchtung ist allgegenwärtig im "Red Capital Club"

Das Essen ist liebevoll gekocht, der Service sehr persönlich und der Drink an der in kommunistisches Rot getauchten Bar zum Schluss eine Wohltat. Der Ruf nach dem Taxi – ein Wunschtraum. Es bleibt mir nur der Fußmarsch zur nächsten Kreuzung durch das nächtliche Hutong. Und so finde ich mich 20 Minuten später irgendwo in Peking unter einer Laterne wieder und versuche, ein Taxi zu stoppen. Gefühlte Stunden später erbarmte sich ein Taxifahrer, stellte dann aber fest, dass ihm das Hotel zu nah für eine Fahrt wäre. Unter lauten Beschimpfungen beging er dann doch die Fahrt zum Peninsula. Der Concierge informierte mich, es komme häufiger vor, dass Taxen nachts keine Kurzstrecke fahren wollten. Unter uns: Die Fahrt dauerte 25 Minuten. Wenn der China-Reisende hier eines schnell merkt, ist es, dass er seine Vorstellungen getrost zu Hause lassen kann. Der Concierge empfahl übrigens bei dieser Gelegenheit wieder das französische Restaurant.

Informationen zum Hotel unter: www.peninsula.com
Für den Red Capital Club: www.redcapitalclub.com.cn 

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